Arsch hoch! Inklusion gestalten!

„Inklusion ist doch nur eine leere Worthülse.“, höre ich immer und immer und immer wieder. Von enttäuschten Eltern behinderter Kinder, von enttäuschten Menschen mit Behinderung, von enttäuschten Pädagoginnen und Pädagogen. Ich kann es nicht mehr hören!

Was erwarten diese Menschen eigentlich? Jahrhunderte lang wurden Menschen mit Behinderung als Strafe Gottes gesehen und hauptsächlich als defizitär betrachtet. Lange wurden sie nur nach ihrem medizinischen und/oder gesellschaftlich relevanten Nutzen beurteilt. Es gab eine Zeit, in der sie systematisch in diesem Land, in den Einrichtungen, in denen wir noch immer tagtäglich ein- und ausgehen, diskriminert und getötet wurden. Zudem werden Menschen mit Behinderung in den Medien noch immer gern auf ihre Behinderung reduziert bzw. nur im medizinischen Kontext dargestellt. Das wirkt (nach). Fast alle heutigen Mediziner, Pädagogen, Medien und Behörden haben sich nicht mit der Geschichte ihrer Institution auseinander gesetzt.
Hinzu kommt außerdem, dass die Mehrheit der Mitarbeiter in den oberen Managementebenen der großen Behinderteneinrichtungen kurz vor der Rente sind. Sie haben Einrichtungen aufgebaut, die zu dieser Zeit gewollt und fortschrittlich waren. Sie haben Fördermöglichkeiten und Wohlfühlräume geschaffen. Leider hatten Nichtbehinderte dort oft nichts zu suchen und nun sind die Einrichtungen mühselig damit beschäftigt die homogenen Schonräume zu öffnen und zu mischen. Alle Seiten hätten es so viel bequemer, wenn alles so bleiben würde, wie es ist.

Was erwarten die Menschen? Dass alle ganz bereitwillig ihre eigenen Strukturen auflösen? Dass ihnen von heut auf morgen die Inklusion hübsch verpackt serviert wird und sie nur noch mitmachen brauchen? Erwarten sie, dass jeder Mitmensch weiß, was sie wirklich brauchen und wollen?

Ab gehts! Sag laut, was du willst! Gestalte mit, wo du kannst! Damit das Ganze eben nicht mehr so lange dauert!

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