Müde, inkonsequent und verunsichert

das bin ich oft. Selbstsicher, ganz wach und strahlend bin ich nur selten.

Oft gelingt es mir nicht, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und ich vergesse Dinge oder bin unachtsam. Sehr oft kann ich mich auf andere Menschen nicht einlassen, weil ich so stark mit mir selbst beschäftigt bin. Häufig reagiere ich heftig auf Texte, Nachrichten, Kommentare, ich werde wütend, angeekelt und arrogant wenn sie nicht meinen eigenen Wert-, Gesellschafts- und Weltvorstellungen entsprechen. Selbst eine freundliche Begrüßung fällt mir öfter schwer. Häufig bin ich angespannt, alles geht mir zu langsam. Alles geht mir zu schnell. Dann werde ich unsicher. Immer wieder muss ich dann heulen.

Was macht das mit den Kindern? Was macht unsere Trennung mit den Kindern? Erkläre ich unserer Tochter die Situation genug und verständlich? Wird sie mich und ihren Vater einmal verstehen? Sie hatte schon eine längere Phase der Traurigkeit und Anspannung von mir erlebt: nach der Geburt ihres Bruders mit Down Syndrom. Habe ich sie in diesen Situationen immer genug aufgefangen? Kann ein kleines Kind so viel überhaupt verkraften? Bin ich aufmerksam genug für ihre Bedürfnisse und Signale? Kuschel ich genug mit ihr? Zeige ich ihr zu selten meine unendliche Liebe? Anatol bezeichnet seit einem Monat alles mit Papa: ein Auto ist Papa, die Nase ist Papa, ich bin Papa. Das ist wohl seine Art auf die Trennung zu reagieren. Was macht das? Und wie soll ich ihn auffangen? Reden geht ja nicht. Was geht? Ich weiß es nicht.
Und ich? Werde ich jemals wieder so fröhlich, entspannt und voller Leichtigkeit sein wie vor den Geburten der Kinder und vor der Trennung? Neulich sprachen wir mit den Kindern darüber, was wir alle gut können. Und Lili sagte, dass Papa gut Gitarre spielen und Quatschgeschichten erzählen kann. Und Mama kann gut schimpfen, ergänzte sie.

Mutter sein ist so leicht, man braucht die Kinder nur unendlich zu lieben. Das denke ich manchmal. Ich habe keinen Erfolgsdruck, keine Erwartungen an mich und die Kinder. Davon bin ich auch manchmal überzeugt. Und dann stelle ich plötzlich doch wieder fest, wie mich irgendeine tief sitzende Erwartung an mich selbst oder eine Bemerkung meiner Mutter oder einer Freundin unglaublich unter Druck setzt.

Es ist eine riesige und schwere Verantwortung, für die seelische Stabilität von drei Personen, davon zwei Kinder, zu sorgen. Diese Verantwortung erschöpft und überfordert mich so oft.

Es ist so schwer, loszulassen. Sich treiben zu lassen. Seinen eigenen Weg zu gehen und die anderen ihren gehen zu lassen.
Es ist schwer, Schwäche zuzulassen, zu akzeptieren und zu zeigen.

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One comment to this article

  1. Nadine

    on 28. Januar 2016 at 23:55 - Antworten

    Ich bin mir sicher, dass du gibst, was du kannst, und damit ganz viel richtig machst!
    Schwäche zu zeigen ist menschlich und zeugt auch von Stärke!

    <3

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