{"id":1760,"date":"2016-07-15T13:25:07","date_gmt":"2016-07-15T11:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/johnnyprice.de\/blog\/?p=1760"},"modified":"2016-07-15T13:52:17","modified_gmt":"2016-07-15T11:52:17","slug":"radikalisierung-in-der-mitte-palastbewohner-und-das-gute-gewissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johnnyprice.de\/blog\/2016\/07\/15\/radikalisierung-in-der-mitte-palastbewohner-und-das-gute-gewissen\/","title":{"rendered":"Radikalisierung in der Mitte, Palastbewohner und das gute Gewissen"},"content":{"rendered":"<p>Joachim Nikolaus Steinh\u00f6fel, Hamburger Rechtsanwalt und beliebter Gro\u00dfkotz, postet am 7. Juli auf<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/joachim.steinhoefel?ref=ts&amp;fref=ts\"> facebook:<\/a><br \/>\n&#8222;Wer rund um die Uhr mit Allah und wenig au\u00dferdem im Kopf herumrennt, Frauen verschleiert, Wein und Musik f\u00fcr s\u00fcndhaft h\u00e4lt, die europ\u00e4ische Literatur, den europ\u00e4ischen Geist und die europ\u00e4ische Lebensart geringsch\u00e4tzt, wer etwa als Franzose nie den Louvre betreten, nie ein Konzert, nie eine Oper besucht hat und stattdessen glaubt, die Welt mit beduinischen Verhaltensvorschriften aus dem 7. Jahrhundert missionieren zu m\u00fcssen, ist kein Europ\u00e4er, auch wenn seine Eltern in Europa geboren sein sollten. Es sind Fremde, denen man auch in zweiter oder dritter Generation die gepflegte Fremdheit durchaus ansieht, weil die Angeh\u00f6rigen dieser Gruppe sich weder mit autochthonen Europ\u00e4ern kreuzen noch deren Kultur, obzwar sie in ihr leben, \u00fcberhaupt zur Kenntnis nehmen. Es ist eine tiefe, monstr\u00f6se ethnisch-psychisch-soziale Fremdheit. Es gibt l\u00e4ngst \u00fcberall in Westeuropa Gebiete, in denen man als Araber geboren wird.&#8220; Michael Klonovsky<\/p>\n<p>Dieses Zitat (bekam \u00fcbrigens 586 Likes auf facebook, 149 mal geteilt, auch von Politikern aller Parteien) ist hochinteressant. Es beschreibt den einfachen und leicht verst\u00e4ndlichen Aufbau eines Feindbildes, das derzeit gro\u00dfe Zustimmung erf\u00e4hrt. Es schafft gleichzeitig ein vermeintliches Wir-Gef\u00fchl: WIR sind gebildet, WIR kennen UNSERE Literatur und Kunst, WIR sch\u00e4tzen den europ\u00e4ischen Geist, WIR lieben die Oper. Es transportiert wohl etwas, das viele Menschen vermissen, etwas wie ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, etwas wie ein Gef\u00fchl von Vertrautheit und Anerkennung, von \u00dcbersichtlichkeit.<br \/>\nWer mit solchen Feindbildern und wenig au\u00dferdem im Kopf herumrennt, Frauen f\u00fcr gleiche Arbeit weniger Geld bezahlt als M\u00e4nnern, gleichgeschlechtliche Ehe in Schulb\u00fcchern f\u00fcr s\u00fcndhaft h\u00e4lt, die Weltliteratur, den Weltgeist und pluralistische Lebensart geringsch\u00e4tzt, wer etwa als Deutscher nie in Syrien war, nie ein Trommelkonzert in Ghana  erlebte, nie einen Schneesturm in Sibirien oder vergleichbares \u00fcberstanden hat und stattdessen glaubt, ein Land mit einem Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert sei innovativ und k\u00f6nne auf aktuelle gesellschaftliche Probleme reagieren, ist dagegen f\u00fcr mich kein ernst zu nehmender Mitb\u00fcrger. Es sind Angsthasen, denen man auch in zweiter und dritter Generation die Angst vor Vielfalt und Pluralit\u00e4t durchaus ansieht, weil die Angeh\u00f6rigen dieser Gruppe sich weder mit allochthonen B\u00fcrgern kreuzen noch deren Kultur, obzwar sie mit ihnen leben, \u00fcberhaupt zur Kenntnis nehmen. Es ist eine tiefe, monstr\u00f6se Sehnsucht nach einer vermeintlich ethnisch-psychisch-sozialen Einheit. Es gibt l\u00e4ngst \u00fcberall in der Welt Gebiete, in denen man als Deutscher geboren wird.<\/p>\n<p>In &#8222;Demokratie \u2013 Kultur \u2013 Moderne: Perspektiven der politischen Theorie&#8220; schreibt Herbert Schn\u00e4delbach: Die vollkommene Anpassung des Bewusstseins und seine objektive Unf\u00e4higkeit, sich Alternativen zum Bestehenden auch nur vorzustellen, ist die Ideologie der Gegenwart. Slavoj \u017di\u017eek sieht darin gar eine weitaus gef\u00e4hrlichere Ideologie als in den Diktaturen. Er ist der Ansicht, dass Ideologien heute nicht mehr aufgrund eines fanatischen Engagements funktionieren, sondern vielmehr umgekehrt aufgrund einer inneren Distanz und Gleichg\u00fcltigkeit, die das symbolische Mandat des Subjekts nicht ernst nehme.<\/p>\n<p>Wir Palastbewohner glauben die Welt draussen zu kennen \u2013 aber in Wahrheit haben wir keine Ahnung. Wir k\u00f6nnen uns ein Leben in Armut und Misere nicht einmal mehr vorstellen, geschweige denn ein solches Leben aushalten. Darum hat auch die Solidarit\u00e4t mit den \u00abArmen\u00bb oftmals etwas so Aufgesetztes, Selbstgef\u00e4lliges. Im Palast wohnen und mit den anderen mitf\u00fchlen \u2013 in dieser Position hat man beides: das Geld und das gute Gewissen. Man spendet den Fl\u00fcchtlingen alte, zu kleine Klamotten und redet sich damit ein, sein solidarisches Soll erf\u00fcllt zu haben. Abscheulich!<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen endlich diesen Steinh\u00f6fels und Co. den Wind aus den Segeln nehmen. Sie sind es, die die europ\u00e4ische pluralistische Wertegemeinschaft schw\u00e4chen mit dem st\u00e4ndigen Sch\u00fcren von Angst vor dem vermeintlich Fremden. Sie sind mit ihrer dauerhaften Verteidigung einer antidemokratischen &#8222;reinen&#8220; Leitkultur diejenigen, die Mauern bauen und einer solidarischen Gemeinschaft schaden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joachim Nikolaus Steinh\u00f6fel, Hamburger Rechtsanwalt und beliebter Gro\u00dfkotz, postet am 7. 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